Aus dem Vorwort

Ein Buch als Unterrichtsprojekt

 

Die Schülerinnen und Schüler, deren Geschichten hier erzählt werden, besuch(t)en die HBLW-Landwiedstraße in Linz, eine höhere Schule mit verschiedenen Schultypen, die entweder zu einer Fachabschlussprüfung (mittlere Reife) oder zur Matura (Abitur) führen. Es sind Jugendliche, die sich - unter anderem über das Bildungswesen - gut in die österreichische Gesellschaft integrieren konnten.


Damit wird ein andere Perspektive sichtbar, als dies bei Diskussionen zur „Ausländerfrage“ häufig der Fall ist. Migranten werden in der öffentlichen Diskussion meist als Problem dargestellt. In diesem Buch erweisen sie sich als interessante Gesprächspartner, als Menschen wie du und ich, aber auch als Personen mit einem ganz besonderen Potential. Sie bringen nicht nur ihre eigene Kultur mit, sondern oft auch eine hohe Sprachkompetenz. Manche wachsen zuhause mit zwei oder gar drei Sprachen auf; am Ende ihrer Ausbildung an einer österreichischen höheren Schule können sie sich vier- oder fünfsprachig verständigen. Das sind Fähigkeiten, die Anerkennung verdienen würden.


Trotz Integration sind uns Migranten weitgehend unvertraut. Wir wissen wenig von ihnen, haben keine Ahnung von ihrem Leben, ihrer Kultur, ihren Wünschen und Träumen. Trotz räumlicher Nähe sind sie uns fremd geblieben. Deshalb der Titel „Nahe Fremde“, deshalb auch dieses Buch. Wir sollten sie besser kennen lernen. Und der erste Schritte dazu ist, ihnen zuzuhören.

 

Mag. Christian Schartner, August 2008